technische Hochschule Brandenburg

ein paar Funfacts aus dem Studium

Wer in der heutigen Zeit Wissen im Bereich Softwarenentwicklung aufbauen möchte, hat es so viel einfacher als früher. Das Wissen ist in Hülle und Fülle in unzähligen Blogs kostenfrei vorhanden. Wer gerne visuell lernt, kann zwischen Millionen von Youtube-Tutorials wählen. Wer es etwas strukturierter mag, kann sein Wissen über Onlinevorlesungen oder Onlinekurse vertiefen.

Im Letzten Monat habe ich mir ein paar Informatikvorlesungen an der TU Darmstadt und an der Harvard University angesehen. Es gibt sogar einige, für die man eine Prüfung ablegen und sich ein Zertifikat ausstellen lassen kann.

Trotz dieser tollen Vorteile von Onlinevorlesungen und-kursen, die ich selber gerne nutze, sehe ich sie nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für ein Studium an. Denn vor Allem eins können sie nicht rüberbringen, nämlich das typische Studentenleben auf dem Campus, die Zeit des Aufbruchs, die neuen Erfahrungen und all das, weswegen jedes Jahr Millionen von Neustudenten an Hochschulen und Universitäten strömen.

Für mich persönlich war es ganz tolle Zeit, an die ich mich immer noch (jetzt sind es über 17 Jahre her) sehr gerne erinnere. Und nun kommt ein Rückblick und ein paar Funfacts – wir schreiben das Jahr 2004…

Kurz vor dem Studium

  • In meiner Abizeit wollte ich nichts von Informatik wissen – genervt durch den HTML-Unterricht war es damals wirklich der letzte Studiengang, den ich mir ausgesucht hätte. Ich gebe zu, es ist eine recht ungewöhnliche Offenbarung auf einem IT-Blog – hoffentlich wird mir deswegen kein Informatik-Ethik-Komitee die Hölle heiß machen 🙂
  • Stattdessen bemühte ich mich damals um mehrere duale Studiengänge vor allem Richtung Controlling. Und obwohl ich richtig motiviert war und jede Menge Zeit in Vorbereitung gesteckt habe, waren alle Bewerbungen leider zum Glück nicht von Erfolg gekrönt.
  • Was meine Abizeit 2003 – 2004 hinsichtlich Informatik nicht schaffte, schaffte eine 6 monatige Tätigkeit 2005 locker – danach war ich Feuer und Flamme, ein technisches Studium zu beginnen.
  • Verglichen mit Bewerbungen um duale Studiengänge, war der Immatrikulationsprozess für den Studiengang Wirtschaftsinformatik an meiner künftigen Alma Mater (technische Hochschule Brandenburg) wirklich unanständig einfach und unspektakulär – ich bin hin, habe meine Unterlagen abgegeben und durfte mich ab sofort einschreiben (Matrikelnummer 0001- wer zuerst kommt, mahlt zuerst).

Grundstudium

  • den Campus würde ich definitiv als Campus der Gegensätze bezeichnen. Das Hauptgebäude meines Fachbereichs war ursprünglich als eine preußische Kavalleriekaserne Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Eine absolute Augenweide für jeden, der norddeutschen Backsteinbau zu schätzen weiß (hier finden sich ein paar Impressionen vom Campus). Das Bibliotheksgebäude, das ursprünglich ein Reiterstall war, hat ebenso viel Charme wie das Hauptgebäude und gleicht mehr einem schicken Fabrikloft. Das Wohnheim hingegen ist eher dem Baustil Wir-Verbauen-Nur-Fertiggrauplatten-Bauismus zuzuordnen. Man munkelt, das Gebäude soll wohl einen Architekturpreis gewonnen haben. Mag sein. Wir Studis wussten wir nach dem Anblick des Wohnheims nur eins mit Sicherheit- „da muss es wirklich auf innere Werte ankommen“.
  • Mein Wohnheimzimmer in einer 3er WG kostete 190€ warm und war wirklich gut
  • Vor dem Beginn der eigentlichen Vorlesungen habe ich an einem Mathevorbereitungskurs teilgenommen. Wie es sich herausgestellt hat, war es keine schlechte Idee – das Kursniveau war anspruchsvoller als der Matheunterricht in meinem Fachabi.
  • Als ich mit dem Studium anfing, waren „Web 2.0“, „Java-fähige Handys“ und „Java-Applets im Browser“ der letzte heiße Scheiß.
  • Im 1. Semester hatte ich oft 6-Tage-Vorlesungswoche. Vom Inhalt her war es für mich, wie das ganze Grundstudium, relativ anspruchsvoll. Vom Grundlagenwissen, das ich dabei erworben habe, zehre ich übrigens selbst jetzt immer noch. Am meisten von Fächern wie Mathematik, Programmieren, Datenbanken und Controlling.
  • In unserer Mensa gab es (zumindest war es in den ersten Semestern der Fall) eine Art Essensflatrate. Hatte man nach einem Teller immer noch Kohldampf, konnte man sich an der Ausgabetheke eine weitere Portion des gleichen Gerichtes kostenfrei holen.
  • im 2. Semester war hauptsächlich Englisch die Amtssprache in meiner WG.
  • vor allem das 3. Semester war geprägt von zahlreichen Geschäftsmeetings (Diskutieren und Philosophieren mit Freunden bei Wein bis spät in die Nacht in der WG-Küche), von Show-Cooking-Events (wir haben zusammen gekocht) und Netzwerk-Events (Wohnheimpartys, wo man einfach dem Lärm nach in die WG reingeht, in der gefeiert wird). Alles in einem – geniale Zeit.
  • Als gelegentlicher Tanz- und absoluter Theatermuffel habe ich mich breitschlagen lassen, in einem Theatertanzstück auf unserem Hochschulball aufzutreten – es ist mir bis heute ein Rätzel, wie es passieren konnte. Aber im Nachhinein betrachtet, hat es Spaß gemacht 🙂
  • Weihnachten 2006 habe ich in unserer Studentendisko aufgelegt – eine Playlist laufen lassen. Fürs erste Mal als PseudoDJ gar nicht mal so schlecht – von ca. rund 100-200 Studis haben sich nur zwei Typen beschwert – mit der Quote kann ich gut leben.
  • Manche Inhalte aus dem Studium habe ich komplett falsch eingeschätzt. Als wir im 3. Semester Vorlesungen zu IBM’s „System i“ hatten, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich dieses Betriebssystem aus den 80ern je brauchen werde. Tja, weit gefehlt – 3 Jahre später hatte ich auf diesem System COBOL-Batchprogramme für Provisionsabrechnung und Briefschreibung zu entwickeln. Für alle, die COBOL nicht kennen – es ist wirklich ein Dinosaurier in der IT-Welt, der 1959 das Licht der Welt erblickte und vor allem in der Bankenwelt nach wie vor immer noch sehr verbreitet ist – für jemanden wie mich, der eher bei VBA, Java und PHP zu Hause war, war es eine komplett andere Welt.
  • im 4. Semester habe ich bei einem italienischen Pharmaunternehmen in Berlin ein Praktikum absolviert und durfte mich vor allem im Bereich Vertriebsanalysen und Prozessautomatisierung programmiertechnisch austoben. Schöne Zeit, klasse Aufgaben, coole Kollegen (Servus an Christopher und Jens) und ein Megagehalt (für einen Studi).

Hauptstudium

  • Im Hauptstudium ging es um einiges entspannter als im Grundstudium zu – es war hauptsächlich durch größere Projekte und Gruppenarbeiten geprägt. Ein Freizeithighlight war das 6. Semester mit 3 Vorlesungstagen (Montag und Freitag waren vorlesungsfrei)
  • Kleine Hochschulen wie HTB haben nicht die Strahlwirkung und Vorlesungsvielfalt einer TU München oder KIT, können in der Regel mit einer deutlich besseren Betreuung punkten. In Vorlesungen im Hauptstudium zu fünft zu sitzen (Professor bereits eingerechnet), fand ich schon echt luxuriös.
  • Während des Studiums gehörte ich eindeutig der Streberfraktion an. Soweit ich mich erinnere, habe ich keinen einzigen Tag im Studium verpasst. Lediglich für einzelne Vorlesungen wie „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ und „Wirtschaftsrecht“ habe ich Ausnahmen gemacht – und zwar sehr gern und immer wieder 🙂
  • Es gibt aus meiner Sicht nur wenige gute Filme, die das Studentenleben gut rüberbringen. Einer der besten, den ich gesehen habe, ist der Film „13 Semester“ mit dem lakonischen Untertitel „der frühe Vogel kann mich mal“.
  • Immer, wenn ich gefragt werde, wo ich studiert habe, muss ich innerlich grinsen. Erstaunlicherweise wissen gar nicht so viele Menschen, dass es im Bundesland Brandenburg auch eine gleichnamige Stadt gibt.

Abschluss

  • Für mein 8. Semester habe ich mich Ende 2008, bei einem Hamburger Startup (E-Commerce) und bei einem Großkonzern (optische Industrie), mit Sitz auf der Schwäbischen Alb beworben. Beides Diplomandenstellen. 20 Minuten später kam eine Email vom CTO mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch nach Hamburg. Ein paar Tage später hatte ich den Vertrag in der Tasche. Die Erstreaktion (eine Absage) vom Großkonzern kam 7 Monate später. Zeit ist relativ 🙂
  • Wer es noch nicht gewusst hat – die Hansestadt Buxtehude gibt’s wirklich – sie liegt vor Hamburgs Toren und ist deutlich größer, als ihr Name vermuten lässt.
  • Meine Zeit beim Startup lief genauso ab, wie ich es mir ausgemalt habe – coole junge Truppe(schätzungsweise 70% der ganzen Belegschaft waren Praktikanten), zwei Tischkicker in der Büroküche, sowie freier Zugang zur Dachterrasse mit Pool und Bier. Die Arbeitstage waren prall gefüllt – ich habe in der Regel 7-8 Stunden in der Firma an meinem Webreportingprototypen, basierend auf PHP im Backend und Ajax im Frontend gearbeitet und anschließend 3-4 Stunden an der Diplomarbeit gefeilt. Mein Ziel war es, einen Monat früher fertig zu werden, damit ich im August frei haben konnte, bevor mein Traineeprogramm im September begann.
  • Ende Juli 2009 wollte ich nach der Diplomarbeitverteidigung mit meinen Freunden darauf angestoßen. Da ich auf dem Weg in die Stadtmitte in der U3 ordentlich durchgeschüttelt wurde, landete nach dem Köpfen der Champagnerflasche fast die Hälfte vom edlen Gesöff Tropfen direkt auf dem Pflasterstein vor dem Hamburger Rathaus.
  • Für meinen Berufseinstieg bei meinem ersten Arbeitgeber, bei dem seit über 13 Jahren tätig bin, war keine klassische schriftliche Bewerbung nötig. Lediglich ein Gespräch auf einer Berufsmesse im Rheinland, ein langes Telefoninterview von Hamburg aus und ein Assessment Center in der kleinsten Metropole der Welt. Da mehrere Städte diesen Titel für sich beanspruchen, ist hier die Klarstellung, welche Metropole davon gemeint ist. 🙂

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